Klimapolitik nach Wetterlage...

Die internationale Klimapolitik steckt in einer Sackgasse. Durch das Verhalten der Vertragspartner ist das Kyoto-Abkommen nur noch eine bessere Absichtserklärung, ein Nachfolgeabkommen nicht in Sicht. In der Öffentlichkeit wird immer noch vornehmlich über die naturwisssenschaftlichen Grundlagen des Klimawandels gestritten, meist in Form der populistischen Frage, ob es überhaupt einen Klimawandel gibt. Argumente hierfür liefern die Medien, wenn der aktuelle Sommer heiß oder eher nass und kalt ausfällt, der Winter sibirisch kalt oder mild ist. Die Klimadebatte reduziert sich so auf einen ausgiebigen Wetterbericht.

Die demgegenüber weitaus wichtigere Frage, wie gesellschaftlich mit dem Klimawandel umzugehen ist, wird immer noch stiefmütterlich behandelt. Dieser Frage sind Ingo Pies und ich vor einigen Jahren nachgegangen und zu Ergebnissen gekommen, die heute von unvermittelter Relevanz sind. Bereits damals war absehbar, dass es zu einem Scheitern des Kyoto-Protokolls kommen würde, da der Vertrag nicht nur starke Anreize zur Nicht-Einhaltung liefert, sondern - schlimmer noch - gerade für die aufstrebenden Volkswirtschaften China, Indien und Brasilien neue, künstliche Vorteile schafft, nicht in Klimaschutz zu investieren.

Unsere Studie analysiert die grundlegenden ökonomischen Anreizmechanismen, die zu beachten sind, soll ein Post-Kyoto-Protokoll nicht aus ähnlichen Gründen scheitern wie sein Vorgänger. Das Buch "Rational Climate Policy" ist nun im Volltext verfügbar.

Die Sportfernseh-Abgabe...

Die Einführung der Haushaltsabgabe im kommenden Jahr wird regelmäßig mit den Gemeinwohlaufgaben der öffentlich-rechtlichen Anstalten gerechtfertigt: Da die Gesellschaft als Ganzes von den Fernseh-, Radioprogrammen und Internetangeboten profitiert, sollen auch alle Mitglieder der Gesellschaft unabhängig von ihren individuellen Nutzungsgewohnheiten für die Finanzierung der Angebote aufkommen. Neben zahlreichen Problemen der konkreten Ausgestaltung der Haushaltsabgabe wirft dieses Argument unmittelbar die Frage auf, wie gemeinwohlorientiert die Programme von ARD und ZDF nicht nur auf dem Papier, sondern faktisch sind.

Zahlreiche Studien, jährlich von den Anstalten in Auftrag gegeben und veröffentlicht, scheinen auf diese Frage eine eindeutige Antwort zu geben: Seit Jahren seien ARD und ZDF die Anbieter mit den meisten Informationssendungen. Die Anstalten seien „Informationsführer“. Vor einiger Zeit habe ich in einem Aufsatz untersucht, wie wissenschaftlich valide dieses Ergebnis ist und ob auch eine unabhängige Empirie ARD und ZDF die Informationsführerschaft bescheinigen würde.

Das Fazit war, dass zum einen die Studien gravierende wissenschaftliche Defizite aufweisen, zum anderen selbst die vorliegenden Daten einen konträren Schluss erlauben: Das Informationsangebot der öffentlich-rechtlichen Anstalten mag  überdurchschnittlich sein im Vergleich zu RTL, Sat.1 und Pro7. Vor allem sind ARD und ZDF aber die führenden Sportanbieter auf dem deutschen Fernsehmarkt. Die olympischen Spiele in London und die Fußball-Europameisterschaft werden dieses Ergebnis in diesem Jahr erneut bestätigen. Der Artikel „Zwischen Massengeschmack und Gemeinwohl“ ist im Volltext verfügbar.

Frühere Nachrichten...

Aktuelle Veröffentlichungen

Institutionenökonomischer Ansatz für eine rationale Medienpolitik

Die Frage, ob Fernsehprogramme gutspezifische Besonderheiten aufweisen, die zu einem Versagen des Fernsehmarktes führen, wird seit langer Zeit kontrovers diskutiert. Als Gründe für ein Marktversagen lassen sich die Aspekte der Qualität, Finanzierung und Wirkung von Medien identifizieren.

Werden diese drei Aspekte konsequent ökonomisch rekonstruiert, stellt sich weniger die Frage nach einem möglichen Marktversagen als nach einem Versagen der marktrelevanten Institutionen.Die Analyse dieses Institutionenversagens erfordert eine institutionenökonomische Medienökonomik, die als positiver Theorieansatz zur Entwicklung einer stärker auf Gestaltung des Marktes ausgerichteten normativen Medienökonomik dienen kann.

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Wann ist eine Theorie erfolgreich?
in: William Baumols Markttheorie unternehmerischer Innovation,
Ingo Pies und Martin Leschke (Hrsg.),
Konzepte der Gesellschaftstheorie Nr. 17,
Tübingen, 2011, S. 63-70

Ludwig von Mises’ Praxeologie
als empiriefreier Ansatz einer logischen Ökonomik
menschlicher Handlungen

in: Ludwig von Mises' ökonomische Argumentationswissenschaft,
Ingo Pies und Martin Leschke (Hrsg.),
Konzepte der Gesellschaftstheorie Nr. 16,
Tübingen, 2010, S. 201-220

Das medienökonomische Instrument der Programmleistung
als Basis einer rationalen Medienpolitik
in: Medienökonomik – Theoretische Grundlagen und
ordnungspolitische Gestaltungsalternativen,
Dirk Wentzel (Hrsg.), Schriften zu Ordnungsfragen der Wirtschaft,
Band 89, Stuttgart,  2009, S. 183-200

Wie sinnvoll ist das Konzept der Nachhaltigkeit
aus gesellschaftlicher Sicht?

in: Nachhaltigkeit als Verbundbegriff,
Wolfgang Kahl (Hrsg.),
Tübingen,  2008, S. 351-366

Veröffentlichungen in Vorbereitung

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in: The Future of Public Broadcasting in Germany,
Tübingen, 2011

Guido Schröder